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Geschichte

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Das Dojo

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1. Bonner Judo-Club e.V. 1955

Franz- Karl Patzner, genannt F.K.P.
8. Dan Judo; 5. Dan Jiu jitsu; 3.Dan Ju-Jutsu

F.K.P. wurde am 2.April 1927 als ältester Sohn des deutschstämmigen Lockführers Stanislav Patzner und seiner tschechischen Frau Josefa in Neuburg (Nymburg, in der damaligen Tschechoslowakei) geboren. Den Tag seiner Geburt kommentierte er selbst später gerne als: "Ein Tag früher und ich wäre ein Aprilscherz geworden".
Patzner_Kind 1939 wurde die gesamte Familie aufgrund der deutschen Ab- stammung des Vaters ins Sudetenland nach Ceská Lípa umgesiedelt, "Heim ins Reich geholt", wie man es damals ausdrückte. Für den zwölf- jährigen Schuljungen Fanous (Franz) hieß das, dass alle Fächer von gestern auf heute nicht mehr in der tsche- chischen, sondern in der deutschen Sprache unterrichtet wurden. Er bewältigte dies, sicherlich auch aufgrund seiner enormen Sprachbegabung gut, doch erinnerte er sich als Erwachsener noch an die Hänseleien, denen das Kind ausgesetzt war, wenn es etwa "ungefährlich" sagte, aber "ungefähr" meinte.
1942, noch nicht ganz fünfzehn Jahre alt, begann Franz Karl seine Ausbildung als Flugmechaniker in Friedrichshafen am Bodensee bei einer der dortigen Militärschulen. Kurz darauf wurde er jedoch, wie so viele Minderjährige auch, mit knapp sechzehn Jahren als "Kanonenfutter" an die Front geschickt.
Verwundet kehrt Franz Karl dann 1945 noch einmal kurz in seine Heimat die Tschechoslowakei zurück. Dank seiner deutschen Wehrmachtsuniform muss er in Prag von seinem Onkel in Schutz genommen werden und schnellstmöglich nach Ceská Lípa gebracht werden. Von Ceská Lípa macht sich Franz auf den Weg nach Frankreich, wo er als Matrose anheuern möchte.
Unterwegs gerät er jedoch in französische Kriegs- gefangenschaft, trägt er doch immer noch die deutsche Wehrmachtsuniform, so dass ihm niemand glauben würde, er sei freiwillig nach Frankreich gekommen, um in Marseille anzuheuern.

In den französischen Kriegsgefangenenlagern, so weiß man heute, warben Abgeordnete der Legion unter den in jeder Hinsicht ausgehungerten Kriegs- gefangenen um neue Soldaten für die diversen Kriegseinsätze. Die bereits soweit vorgefertigten Verträge wurden in der Regel rasch unterschrieben. Wer einmal unterschrieben hatte, der konnte nicht mehr zurück.

Auch Franz Karl, nach damaligem noch längst nicht Patzner_Erwachsenund nach heutig- em europäischen Gesetz gerade so volljährig werdend, willigte ein.
So wurde F.K.P. Soldat bei der französischen Fremdenlegion und kämpfte unter anderem in Vietnam und Afrika.

Seine erste Begegnung mit Judo schilderte F.K.P. in einem Interview mit Roman Jäger (KDV, 5.Dan) folgendermaßen:
"Im Februar 1946 als ich in Saigon weilte, bewachten internierten Japaner das Munitionsdepot und das Tanklager. Die Offiziere, von denen eine Reihe in Deutschland studiert hatte und daher deutsch sprach, waren mit einem Stock ausgerüstet, den sie als Schwertersatz für Kendo einsetzten. Nach einigen Trainingsstunden fragte ich diese, ob es nicht eine andere Selbstverteidigungssportart gäbe, bei den Hilfsmitteln nicht erforderlich seinen, denn wer läuft als junger Mann mit Stock durch die Gegend. Sie bejahten dies und unterrichteten mich in Judo.
Ende 1948 traf ich in Mascara, Algerien, glück- licherweise Jean Mercier und Ari Rinnert, sodass ich meine Judotraining fortsetzen konnte. Bei Dienst- fahrten nach Sidi-Bel-Abbes nutzte ich die Gelegen- heit, um bei Maitre Segnerie Judo zu machen.
1950 kam ich dann nach Bonn zur 'Hohen Kommission', bei der ich überwiegend als Dolmetscher tätig war.
Ich suchte eine Möglichkeit weiter Judo zu betreiben und fand in der Karlsschule den Judo-Club Samurai von Heinrich Lülsdorf. Als 1955 Lülsdorf auf unerklärliche Weise verschwandt und wir nicht sicher sein konnten, ob noch offene Verpflichtungen bestanden, entschlossen wir uns einen neuen Verein zu gründen. So wurde im Mai 1955 der 1. Bonner Judo - Club ins Leben gerufen. Im Wintersemester 1960/61 gründete ich unter anderem mit Horst Patrosio den Universitäts-Judo-Club Bonn und zwei Jahre später wurden wir mit der Mannschaft Deutscher Hochschulmeister.

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